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Kritik am Hamburger Polizeimuseum

Für die Aufarbeitung und detaillierte Darstellung der NS-Verbrechen der Hamburger Polizei im Polizeimuseum! Nichts erinnert in Hamburg daran, dass die Hamburger Polizeibataillone in der NS-Zeit unvorstellbare Verbrechen begangen haben, keine Gedenktafel, kein Mahnmal, keine Gedenkstätte. Nichts erinnert daran, dass das Hamburger Polizeibataillon 101 gerichtsbekannt mindestens 38.0000 Juden ermordet und mindestens 42.500 Juden in Konzentrationslager deportiert hat. Nichts!

DIE LINKE hat deshalb einen Antrag in die Hamburgische Bürgerschaft eingebracht, der die Aufarbeitung und detaillierte Darstellung der NS-Verbrechen der Polizei im Hamburger Polizeimuseum fordert.

Zu Recht wurde jahrzehntelang die Beteiligung der Gestapo an den NS-Verbrechen thematisiert, aber zeitgleich wurden die Verbrechen der Kriminal- und der Ordnungspolizei in der Bundesrepublik bewusst verschwiegen, obwohl Beweise für die Beteiligung von Polizeibataillonen am nationalsozialistischen Massenmord bereits in den Nürnberger Prozessen vorlagen.

Erst mit dem Buch von Christopher R. Browning, „Ganz normale Männer, Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung" in Polen", wurden die NS-Verbrechen der Kriminal- und Ordnungspolizei von der Öffentlichkeit und der Geschichtswissenschaft in der Bundesrepublik Anfang der 1990er Jahren fokussiert.

Seitdem wissen wir, dass die Kriminalpolizei in der NS-Zeit mehr als 70.000 Menschen in die Konzentrationslager deportiert hat, von denen ca. 35.000 Menschen ums Leben kamen. Seitdem wissen wir, dass die Kriminalpolizei die Deportationen der Roma und Sinti organisierte, von denen 20.000 ermordet wurden. Und wir wissen, dass die von der Ordnungspolizei gestellten Polizeibataillone in Europa gerichtsbekannt mindestens 520.000 Menschen, vorrangig Juden, ermordet haben; denn dies ist das Forschungsergebnis von Stefan Klemp, dessen Buch „Nicht ermittelt - Polizeibataillone und die Nachkriegsjustiz" im Jahr 2005 im Klartext Verlag erschienen ist.

Dr. Wolfgang Schulte, Historiker von der Deutschen Hochschule der Polizei schreibt in seinem Einleitungsbeitrag für das Buch „Die Polizei im NS-Staat", Beiträge eines internationalen Symposiums an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster, im Jahr 2009: „Diese Tatsachen sind in der Polizei bis heute in Detail und Umfang wenig bis gar nicht bekannt und in der Ausbildung vielfach unberücksichtigt geblieben. Die Frage, warum die Polizei zum willigen Vollstrecker des Massenmordes werden konnte, bleibt eine über den Tag hinaus relevante Frage."

Aber das Wissen um die Tatsachen steht in Büchern. Und das Buch „Nicht ermittelt" steht in Hamburg in drei Bibliotheken, bezeichnender Weise in der Staatsbibliothek Carl von Ossietzky, in der Forschungsstelle für Zeitgeschichte und in der Bibliothek der Hochschule der Polizei.

Leider kann man dieses Wissen in Hamburg nicht anders in Erfahrung bringen. Selbst dann nicht, wenn man vor dem ehemaligen Hauptquartier der Gestapo am Stadthaus schräg gegenüber vom Springer-Verlag mitten in der Innenstadt steht. Obwohl die Verhörzellen im Keller noch erhalten sein sollen, gibt es dort bis heute nur eine Gedenktafel. Das Stadthaus wurde von der Stadt für über 50 Millionen Euro an einen privaten Investor verkauft, dabei konnte immerhin vertraglich ausgehandelt werden, dass dort nach dem Auszug der Stadtentwicklungsbehörde eine Gedenkstätte entstehen soll.

In „Nicht ermittelt" beschreibt Stefan Klemp die Verbrechen der vier Hamburger Polizeibataillone 101, 102, 103 und 104. Zur Geschichte des Polizeibataillons 101 führt Klemp aus: „Das Polizeibataillon 101 wurde Anfang September 1939 in Hamburg aufgestellt. Kommandeur war Major Fritz Asmus. Am 6. September 1939 rückte es nach Polen aus. Der Transport erfolgte per Bahn. Über Tschenstochau ging es nach Kielce. Die Aufgabe bestand in der Suche nach geflohenen polnischen Soldaten und Kriegsmaterial. Ferner wurde ein Kriegsgefangenenlager von der Wehrmacht übernommen und bewacht, das sich im Gefängnis von Kielce befand. Dort wurden bei einer Meuterei zehn Polen erschossen. Auch die Vollstreckung von Standgerichtstodesurteilen gehörte zu den Aufgaben des Bataillons. Am 16 Dezember 1939 kehrte es nach Hamburg zurück.

Anfang Mai 1940 kam es erneut nach Polen, zunächst einige Wochen nach Posen, die zweite Kompanie zog nach Leslau. Das ganze Bataillon führte die Vertreibung der polnischen Bevölkerung im Raum Posen durch. In Posen stellte das Bataillon mehrmals Erschießungskommandos. Im Juli 1940 wurde das Bataillon nach Lodz verlegt, wo es weiter an der Vertreibung der polnischen Bevölkerung mitwirkte. Darüber hinaus bewachten Männer des Polizeibataillons 101 das jüdische Ghetto in Lodz. Dort soll das Bataillon bereits an der Ermordung von Juden beteiligt gewesen sein. Im Laufe dieses Einsatzes beteiligten sich die Männer auch an Geiselerschießungen. Ferner erschoss ein Angehöriger der 2. Kompanie unter Führung des Hamburger Nachkriegs-Polizeirates Beinen angeblich geisteskranke Polen.

Dieser Einsatz dauerte bis April 1941 an, dann kehrte das Polizeibataillon 101 wieder nach Hamburg zurück. Viele der aktiven Angehörigen wurden nun auf die Hamburger Bataillone 102, 103 und 104 verteilt. Das Polizeibataillon 101 wurde mit Reservisten aufgefüllt und hieß nun Reserve-Polizeibataillon 101. Von Hamburg aus bewachten und begleiteten die Polizisten drei Deportationen von einheimischen Juden in die Sowjetunion.

Beim ersten Ermittlungsverfahren gegen Hamburger Polizeibataillone schilderte zunächst nur ein Zeuge den dritten Einsatz des Polizeibataillons 101 in Polen. Bei diesem Einsatz leistete das Polizeibataillon 101 unter Major Trapp einen erheblichen Beitrag zur Ermordung der jüdischen Bevölkerung im Bezirk Lublin. Der Einsatz dauerte von Juni 1942 bis Anfang 1944. Das Polizeibataillon 101 nahm zum Beispiel an der „Aktion Reinhard" teil. Zu den Aufgaben zählten sowohl die Massenerschießungen, aber auch Deportationstransporte in die Vernichtungslager. Die Ermittlungsunterlagen gaben Christopher Browning den Anstoß zur ersten wissenschaftlichen Studie über ein Polizeibataillon. Die beste Zusammenfassung der Bataillonsgeschichte findet sich bei Daniel Goldhagen. Wolfgang Kopitzsch gibt eine gute Zusammenfassung des Einsatzes im Jahr 1942.

Opfer (vom PB erschossene Juden): 38.000; Deportierte Juden: 45.200"

Die Thesen von Browning und Goldhagen wurden sowohl in der Bundesrepublik als auch international in Politik, Gesellschaft und Geschichtswissenschaft kontrovers und intensiv diskutiert. Grundlage der beiden Studien waren die Vernehmungsprotokolle des Hamburger Polizeibataillons 101. Jenseits der Differenzen schreibt Browning in seinem Nachwort aus dem Jahr 1998: „In mehreren Fragen sind Goldhagen und ich uns einig: erstens hinsichtlich der Beteiligung zahlreicher „ganz gewöhnlicher" Deutscher am Massenmord an den Juden und zweitens, was den hohen Grad an Freiwilligkeit betrifft, den sie dabei an den Tag legten."

Das Hamburger Polizeimuseum

Seit Jahren planen der Polizeipräsident Werner Jantosch und der „Polizeiverein Hamburg e.V." ein Polizeimuseum in Hamburg. Die Sammlung der Polizei umfasst mehr als 5.700 Exponate, die seit 2005 in Kisten verstaut und für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sind.

In einer Senatsantwort auf eine Kleine Anfrage der SPD im Jahr 2009 heißt es: „Die Sammlung der Polizei Hamburg ist eine der umfangreichsten und polizeihistorisch wertvollsten Sammlungen weltweit. Sie hat eine erhebliche wissenschaftliche und gesellschaftliche Bedeutung und stellt einen hohen kulturgeschichtlichen Wert dar. In Deutschland nimmt sie, gerade unter dem Aspekt der Darstellung von Vergehen und Verbrechen, auch in der historischen Rückschau, eine Spitzenstellung ein."

Die Frage ist, wessen Verbrechen?

Der Vorsitzende des Polizeivereins Hamburg, Dirk Reimers, ehemaliger Polizeipräsident und Staatsrat der Innenbehörde, offenbart persönlich den handfesten Skandal um das Polizeimuseum am 25.10.2010 im Hamburg Journal des NDR. In dem Fernsehbeitrag mit dem Titel „Strittiges Polizeimuseum" spricht er zuerst verharmlosend von „der Verwicklung der Hamburger Polizei in die Zeit des Nazi-Regimes". Dabei hält er die 70 Seiten umfassende Ausstellungskonzeption für das Polizeimuseum in der Hand und offenbart plötzlich die ganze Wahrheit: „Das Polizeibataillon ist in dieser Grobkonzept nicht drin."

Fazit: Die NS-Verbrechen der Hamburger Polizeibataillone sollen nach der derzeitigen Ausstellungskonzeption im Polizeimuseum nicht gezeigt werden.

Vorausgegangen waren umfassende Berichte in der Hamburger Morgenpost und in der taz hamburg am 25.10.2010, die auf den Skandal hingewiesen haben.

Bisher hat die Polizei die „Kriminalpolizeiliche Lehrmittelsammlung", die 1893 in Hamburg gegründet wurde, insbesondere dafür genutzt, ihr PR-Interesse an einem Polizeimuseum mit Hilfe der Sensationsgier der Medien und der Menschen durchzusetzen. Zuletzt im Dezember 2007, als in der Hamburger Finanzbehörde die Mordwerkzeuge von brutalen Verbrechen gezeigt wurden. Die Medien überboten sich mit Geschichten und Fotos von der „Honka-Säge" des Straftäters Fritz Honka, der in den 70er Jahren vier Frauen ermordete, zersägte und auf seinem Dachboden in Ottensen versteckte. Gezeigt wurden auch die „Weltkriegs-MPI des 17-jährigen Elternmörders" und das „Todesfass des Lottokönigs", in dem die Leiche eines Lottogewinners einzementiert wurde, bevor die Täter das Fass in der Alster versenkten. Weitere Exponate aus der Sammlung wurden gezeigt, die grausamste und brutalste Verbrechen symbolisieren.

Bereits 2007 schrieb die Hamburger Morgenpost „Die Ausstellung ist ein Vorgeschmack auf das Polizeimuseum, das Polizeipräsident Werner Jantosch angeregt hat."

Ethisches Problembewusstsein in der Polizeiführung, auch im Hinblick auf die Würde der Opfer und deren Angehörige, war offensichtlich nicht vorhanden. Eine sozial- und organisationsgeschichtliche, rechtsgeschichtliche oder kriminologische Einordnung der Kriminalfälle fehlte vollständig. Eigentlich war dies bereits ein klares Warnzeichen für die Hamburger Politik.

Welche Verbrechen werden von wem für die Ausstellung des Polizeimuseums ausgewählt? Wer entscheidet, in welchen Gremien über die Auswahl und die sozial- und organisationsgeschichtliche Kontextualisierung der Exponate?

Das Polizeimuseum soll in einer ehemaligen Wehrmachtskaserne aus dem Jahre 1936 auf dem Gelände der Landespolizeischule in der Carl-Cohn-Str. 39 in Alsterdorf eröffnet werden.

Zukünftiger „Museumsdirektor" (NDR) soll der Kripo-Beamte Uwe Hanse (58) werden. In der Hamburger Morgenpost vom 12.08.2009 präsentiert der Kripo-Beamte ein „geheimes Buch der Todesarten", das er auf dem Dachboden gefunden hat. Auf dem Buchdeckel prangt „der Sensenmann und das Hamburger Wappen", so die Morgenpost. Es soll ein frühes Lehrbuch der Polizei sein, das die „Polizeianwärter auf den harten Polizeialltag vorbereitet" haben sollte, meint der Beamte.

Ihm zur Seite stehen laut Abendblatt zwei Kuratoren des Polizeimuseums, der Polizeioberkommissar Bernd Heide (48) und der Kriminalhauptkommissar Ernst Auch (55), die im Abendblatt ausgerechnet mit den gefälschten Hitler-Tagebüchern posieren, einer Dauerleihgabe von Gruner und Jahr.

Leider haben die drei Kripobeamten immer die falschen Bücher in den Händen, wenn sie von der Presse fotografiert werden. Obwohl der Weg vom Polizeimuseum in die Bibliothek der Hochschule der Polizei gar nicht so weit ist.

Der Chef vom Museumsdirektor war, ist und bleibt derzeit aber der Polizeipräsident Werner Jantosch höchst persönlich, der zum „Zweck der persönlichen Denkmalpflege ein Kriminalmuseum" einrichten will, wie ihm hochrangige Polizeibeamte in einem offenen Brief im August 2010 vorgeworfen haben.

Daneben agiert der Hamburger Polizeiverein mit seinem Vorsitzenden Dirk Reimers, der bereits zwei Agenturen damit beauftragt hat, ein Ausstellungskonzept sowie eine museumsdidaktische Konzeption für das Polizeimuseum zu erarbeiten. Zuerst wurde die Agentur von Prof. Malsy und Prof. Teufel aus Willich beauftragt, die eine 70 Seiten umfassendes Konzeption erarbeitet haben. Als zweites wurde die Agentur Graphische Werkstätten Feldstraße in Hamburg beauftragt, die auf ihrer Homepage unter der Überschrift „Polizeimuseum" die „Teileröffnung im Juli 2010" und die „Fertigstellung Ende 2010" versprechen.

Im Protokoll der Mitgliederversammlung des Polizeiverein Hamburg e.V. vom 3.11.2009 heißt es unter TOP Sachstand Polizeimuseum, dass „derzeit der Ausbau des Dachgeschosses für eine Ausstellung über bedeutende Hamburger Kriminalfälle realisiert wird. (...) Die Finanzierung der gesamten Maßnahme erfolgt in Kooperation zwischen der Polizei Hamburg und dem Polizeiverein. Aus dem Sonderinvestitionsfond der Stadt werden öffentliche Mittel in Höhe von 350.000 Euro bereitgestellt. Die Beteiligung des Polizeivereins wird sich ebenfalls in dieser Höhe bewegen. (...) Abschließend weist Herr Reimers noch darauf hin, dass dem Polizeimuseum durch die Firma Eurocopter ein ausrangierter Hubschrauberflugsimulator zur Verfügung gestellt werden wird, (...) um Hubschrauberrundflüge über Hamburg darzustellen. In vergleichbarer Weise soll ein Streifenwagen installiert werden, der optisch und akustisch Einsatzfahrten präsentieren soll."

In der Akte des „Polizeiverein Hamburg e.V. - Gemeinnützige Vereinigung zur Förderung des Verständnisses zwischen Bürgern und Polizei" findet sich auf 219 Seiten kein Wort darüber, dass die NS-Geschichte der Polizei im Polizeimuseum dargestellt werden soll. Weder in den Protokollen der Mitgliederversammlungen, noch in den Protokollen der Vorstandssitzungen, obwohl das Polizeimuseum spätestens seit 2006 ein zentrales Thema der protokollierten Sitzungen war.

Die Akte des Polizeivereins, der 1991 von dem Polizeipräsidenten Dirk Reimers und dem Landespolizeidirektor Heinz Krappen und anderen nach dem Hamburger Kessel gegründet wurde, findet sich im Vereinsregister. Die Akte selbst ist im Jahre 2010 eine historische Quelle für eine kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte der Hamburger Polizei, insbesondere im Hinblick auf den Hamburger Polizeiskandal.

Der politische Skandal im Hintergrund des Polizeimuseums offenbart sich, wenn man sich folgende Fragen stellt:

Wie kann es sein, dass ein Polizeipräsident und ein Polizeiverein seit Jahren über die Inhalte und die didaktische Konzeption eines staatlichen Museums in Hamburg entscheiden, obwohl das Museum für alle Menschen öffentlich zugänglich sein wird und überdies eine besondere historische und gesellschaftliche Verantwortung tragen wird?

Wie kann es sein, dass die Freie und Hansestadt die Grundsanierung eines Museums finanziert und die Fraktionen von CDU, GAL und SPD in der Bürgerschaft 350.000 Euro für das Hamburger Polizeimuseums bereitstellen, ohne sich das Museumskonzept des Polizeivereins vorlegen zu lassen?

Warum wurde kein Wissenschaftlicher Beirat für das Polizeimuseum vorgesehen, der sowohl über die Auswahl der Exponate als auch die sozial- und organisationsgeschichtliche Kontextualisierung der Exponate sowie über das museumsdidaktische Konzept entscheidet?

Die Vorsitzende des Auschwitz-Komitees in der Bundesrepublik Deutschland, Esther Bejarano hat ihre Kritik an dem Polizeimuseum deutlich formuliert: „Die Verbrechen der Hamburger Polizei in der NS-Zeit müssen im Polizeimuseum detailliert thematisiert werden. Die Hamburgische Bürgerschaft ist deshalb dringend aufgefordert, die Konzeption der Polizei für das Museum zudiskutieren und einen Historischen Beirat für das Polizeimuseum einzusetzen."

DIE LINKE hat deshalb einen Antrag in die Bürgerschaft eingebracht, der den Senat auffordert, dass „das Polizeimuseum in seiner ständigen Ausstellung die Geschichte der Polizei von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik bis zum NS-Staat sowie die Geschichte der Polizei in der Bundesrepublik in seinen sozial- und organisationsgeschichtlichen Bezügen angemessen darstellt. Das Polizeimuseum soll auf der Grundlage der bisherigen Forschung insbesondere die Geschichte des Hamburger Polizeibataillons 101 und dessen Verbrechen in Polen ausführlich darstellen. Für die Auswahl der Exponate sowie deren sozial- und organisationsgeschichtliche Kontextualisierung soll ein Wissenschaftlicher Beirat eingerichtet werden, der die Polizei in allen geschichtswissenschaftlichen Fragen berät."

Dieser Antrag wurde am 27. Oktober 2010 von der Bürgerschaft in den Innenausschuss überwiesen. Wir freuen uns auf die Diskussion, weil die kritische Reflektion der Geschichte der Polizei nicht nur für die Polizei selbst, sondern für die Gesellschaft insgesamt in einem demokratischen Rechtsstaat unverzichtbar ist.

Bela Rogalla

Literatur:

Christopher R. Browning, Ganz normale Männer, Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die „Endlösung" in Polen, Hamburg 1993

Helmut Fangmann/ Udo Reifner/ Norbert Steinborn, „Parteisoldaten", Die Hamburger Polizei im „3. Reich", Hamburg 1987

Stefan Klemp, Freispruch für das „Mord-Bataillon". Die NS-Ordnungspolizei und die Nachkriegsjustiz, Münster 1998

Stefan Klemp, „Nicht ermittelt". Polizeibataillone und die Nachkriegsjustiz, Essen 2005

Wolfgang Kopitzsch, Hamburger Polizeibataillone im Zweiten Weltkrieg, in Ebbinghaus, Angelika/Linne, Karsten, Kein abgeschlossenes Kapitel: Hamburg im „Dritten Reich", Hamburg 1997, S. 293-318

Wolfgang Schulte (Hrsg.), Die Polizei im NS-Staat, Beiträge eines internationalen Symposiums an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster, Frankfurt 2009

 

 

 

 

 

Hamburger Polizeibataillion 101 / copyright: Yad Vashem – The Archive